Lügen ist nicht gleich lügen. Es macht einen Unterschied, wer wen warum belügt. Wahlversprechen sind Lügen, bei Vorstellungsgesprächen kann etwa die Frage "wollen Sie in nächster Zeit schwanger werden" mit ruhigem Gewissen auch mit einer Lüge beantwortet werden, es gibt Lügen, um kleinen Unannehmlichkeiten auszuweichen ("Schatz, findest du, dass mir das Kleid steht?"-"Aber natürlich, das hellblau passt wunderbar zu deinen grünen Augen!"

oder "He du, kennen wir uns nicht vom EF?"-"Nein, sowas bärwärses ist nix für mich!"

)
Dann gibt es noch die meiner Ansicht nach schwereren, bei denen der Lügner Nachteile für den Belogenen in Kauf nimmt. Das Abstreiten einer Affäre kann dahingehend gewertet werden.
Auch die Selbstlüge ist eine schwere, mit der man sich selbst versucht vor unangenehmen Konsequenzen der Wahrheit zu schützen. Man schädigt sich aber, da man der Wahrheit ja nicht ausweichen kann, irgendwann schlägt sie zu.
Für den Belogenen kann das Aufdecken einer Lüge ebenfalls von beiläufig bis schmerzhaft sein. Wenn ich Oxi auf der Straße treffe, aufs EF anspreche und er mir antwortet "Nein, dich kenn' ich nicht, mit solchen wie dir will ich nix zu tun haben", dann kann ich ihm ja nicht böse sein.

Wenn Michelle das gleiche sagt, erhänge ich mich am nächsten Haselnussstrauch.

Wenn allerdings ein/e Partner/in dahinterkommt, dass sein/e Lebenspartner/in eine Affäre abgestritten hat oder ein/e Geschäftspartner/in betrogen wurde, wird er/sie das wahrscheinlich scherzhafter empfinden.
Conclusio: Nicht alle Lügen sind gleich zu bewerten, man kann nicht einmal dieselbe Lüge in jeder Situation gleich bewerten. Manche sind verletzend, andere erleichtern nur den Alltag, wie Tom bereits treffend ausgedrückt hat.