Zum Nachdenken:
Ich denke die Diskussion hier, die es auf den Gegensatz Zwang und Freiwilligkeit beschränkt, verkürzt das Ganze Thema schon sehr.
Die meisten hier haben mit echtem Zwang, Nötigung, Gewalt, etc... - alles was eindeutig kriminell ist - sicherlich ein Problem und lehnen das ab. Traurigerweise kommt mir vor, einigen ist sogar sowas egal, solange sie es nicht selber machen. Schämt euch - ihr seid trotzdem Teil der Täter.
Aber dass jede Hure die "nicht unmittelbar und direkt gezwungen" wird, es auch "freiwillig" macht - ist glaub ich so nicht richtig. Zumindest muss man es anders diskutieren.
So ca 98% aller afrikanischen Frauen in dem Gewerbe in Europa sind über Menschenhandel hier gelandet - einfach googeln "Nigeria Menschenhandel" und ein bisserl Zeit investieren - ist seit 20 Jahren immer die selbe Geschichte. Klingt nicht so super.
Heutzutage ist da auch schon ein Anteil dabei, die bereits vorher wissen, dass sie zur Prostitution nach Europa kommen. Aber sind die dann wirklich "freiwillig"? Wie freiwillig ist es denn, wenn deine Familie wenn du 16 oder 17 bist, beschliesst - du wirst nach Europa entsandt, um sie von dort zu versorgen. Wie "freiwillig" ist es, wenn dir die Möglichkeiten auf eine fantastischen Weise in positiv verklärt werden und die Risiken verschwiegen.
Und bei Frauen aus Süd-Osteuropa und Asien, den weiteren klassischen Vertreter der Armutsprostitution in Europa, ist das mit der Freiwilligkeit auch so ein Sache.
Viele entscheiden sich schon "freiwillig" - aber sie entscheiden sich halt "freiwillig", weil es ihnen als einzige Option erscheint - oder die anderen Alternativen eben noch unangenehmer sind.
Wenn man ein paar besser kennenlernt - grad aus Asien - und das hab ich in den letzen Jahren - und dann irgendwann die Geschichten dahinter kennt, dann erfährt man meisten eben auch, welche -meist familiäre- "Zwangslage" die Frau motiviert hat, diesen Schritt zu machen.
Dass viele dann viel schlechter aussteigen, weil sie oft nur über kriminelle Wege hierherkommen können und ihre wirtschaftlichen "Zwänge" unerwartet hoch werden - ist auch bei den "Freiwilligen" der Fall.
Wie "freiwillig" ist denn eine Entscheidung, wenn dir wesentliche Fakten fehlen oder falsch dargestellt werden?
Wie "freiwillig" ist denn eine Entscheidung, wenn der Druck - egal woher er stammt - dem du dich ausgesetzt fühlst, unmässig hoch ist?
Ich denke, man sollte sich einfach bewusst sein, dass es in dem Gewerbe Realität ist, dass ein grosser Teil der Frauen - und je ärmer ihre Herkunftsregion, desto grösser die Wahrscheinlichkeit - diese Tätigkeit auf die eine oder andere Weise nur unter Zwang machen.
Da gibt es dann schon Abstufungen - vom strafrechtlich relevanten Zwang, von existentiellen Zwangslagen, von Sachzwängen die sich aus fehlenden Alternativen ergeben, Zwänge die sich aus selbst- oder fremdverschuldeten Abhängigkeiten ergeben, etc....
...aber nichtsdestotrotz spielt Zwang eine Rolle.
Und da muss dann jeder für sich entscheiden - auf welcher Stufe es für ihn ok ist, einzusteigen.
Es gibt in Wien schon auch die Huren aus Leidenschaft, die das wirklich gern und aus Überzeugung machen.
Es gibt auch die, die es aus sehr pragmatischen Überlegungen machen - weil sie die Alternativen abwägen und sich bewusst entscheiden und das wirtschaftlich als sinnvoll ansehen.
Aber - ich schätz mal - das ist eine eher kleine Minderheit. Und die schaffen ersten nicht die gesamt Nachfrage - und zweitens sindsie klug genug, sich entsprechend entlohnen zu lassen. Grad das günstigere Preissegment, füllt sich stärker mit anderem Personal.
Dann gibt es auch die - meist jungen - eher naiven Girlies meist aus dem (uns nahem) Osten, die glauben, dass ist leicht verdientes Geld für sich ein bisserl hinlegen. Oft nur kurz hier und in dem Gewerbe - aber in der Menge machen sie auch einen guten % Satz aus.
Kurz übrigens deswegen, weil die Realität eben ist - dass das KEIN LEICHTER JOB IST. (Wenn dich der Richard Gere für eine Woche bucht und auf Gartenparties mitnimmt, oder deine restliche Kundschaft aus wohlriechenden, höflich eleganten Gentlemännern oder schüchternen Studenten auf der Suchen nach dem ersten Mal bestünde - wär`s eh ok. Aber das ist nur im Kino.
Aber diese Gruppe an sich - finde ich moralisch schon buchbar.
Aber dann nach unten - wird es für mich schon schwerer....
Die Asiatin, die die kranken Verwandten unterstützen will, den Kindern eine Ausbildung ermöglichen, der Familie eine Zukunft aufbauen...
Die unter falschem Vorwand hergelockte, ungebildete und zumindest etwas verunsicherte Osteuropäerin....
Die Zugedröhnte mit welche Gift auch immer...
Die wegen dem Transport schwachsinnig hoch verschuldete und mit Todesfluch belegte Afrikanerin, die findet die Behandlung im Billigpuff hier, ist immer noch netter, als zu Hause von der Familie,...
Die Bedrohte, Eingeschüchterte, ...und...und...und.....
Von den Gruppen der letzen Rubrik (und das geht jetzt an die Menschenkenntnis-Fraktion)- gibts übrigens viele, die sich halt mit der Situation so weit arrangiert haben - sich mit ihrem aktuellen Schicksal so weit abgefunden haben, dass sie ihren Job soweit ganz gut machen können.
D.h. da sind viele clever genug- ihr Inneres - nicht nach aussen dazustellen. Schon gar nicht an fremde Männer, die sie grad für eine Erotikdienstleistung buchen wollen (und dabei am besten noch den Preis möglichst drücken wollen) - und das vermutlich nicht machen würden, wenn sie ihr verheultes Gesicht von in der Früh nicht geschminkt und mit ihrem besten Lächeln überdeckt.
Ich hätte das zu meinen Zeiten als Kunde auch nicht hören wollen. Darum "komm" ich ja nicht- im Gegenteil, das verhaut mir ja die Stimmung.
Ein guter Kellner ist auch freundlich zum Gast, wenn er grad Sorgen hat. Das ist nur professionell - das heisst nicht, dass er es geniesst grad zu arbeiten.
Aber wie in jedem Konsum gilt die Regel - der Konsument entscheidet - und so soll das auch jeder für sich entscheiden. Aber gut fände ich halt, wenn man eine bewusst informierte Entscheidung trifft - und sich nicht einredet - es wäre schöner als es ist und die Schweinderl hupfen glücklich auf die Schlachtbank und stehen gern eng im LKW.