Muttertag

Mein Großvater mütterlicherseits war Absolvent der damaligen Technischen Hochschule (heute TU).
Der Grovater väterlicherseits hat nur wegen des WK1 nicht studiert. Sein Vater brachte ihn sofort
nach der Matura 1916 bei der K&K Reichsbahn als Beamten unter - damit er bloß nicht an die Front geschickt wird.
Mein Grossvater mütterlicherseits erlebte den Ersten Weltkrieg als Sanitätsgefreiter und geriet 1918 in französische Kriegsgefangenschaft, wo er 1920 an der berüchtigten spanischen Grippe erkrankte, und er starb 50 Millionen anderen Menschen an dieser Pandemie.
 
Welche Bedeutung spielen Mütter, Schwiegermütter, Großmütter in eurem Leben?

Meine Mutter spielte eine große Rolle in meinem Leben. Sie hat mich geboren und mich mit ihrem Lachen, mit ihrem Wissen über Pflanzen, mit Schlägen, mit ihren Abwertungen, ihrem Ignorieren, ihrer Angstmache bis ins jugendlich Alter + der Scheidung von meinem Vater sehr geprägt. Nachdem ich nach Jahren nach der Scheidung den Kontakt zu ihr suchte + sie kaum Interesse zeigte, auch nicht meinen ersten Kind gegenüber, obwohl sie meinte, sie werde mich besuchen, zog ich einen endgültigen Schlussstrich und rief sie nicht mehr an bzw. traf mich nicht mehr mit ihr.

Ich konnte für mich meinen inneren Frieden finden, auch wenn es nur schrittweise möglich war. Wenn ich an sie denke, gibt es für mich nichts Belastendes mehr + das ist auch gut so. Zusammenfassend kann gesagt werden, ja sie hat mich geprägt. Ich gehe mal davon aus, dass sie das Beste wollte, auch wenn sie aufgrund eines jahrelangen sexuellen Missbrauch von ihrem Vater einen schwierigen Start hatte als 21 jährige Mutter. Leider hat sie das nie aufgearbeitet + konnte keine liebende Mutter sein, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern.
Fakt ist, dass ich aufgrund meiner Kindheit zu dem geworden bin, der ich mal bin mit all den Stärken und Schwächen und das passt genau so wie es ist.

GSD habe ich dafür eine tolle Schwiegermutter, die mir gegenüber von Anfang an offen und wertschätzend war und das fühlt sich einfach wunderbar an.
 
Zuletzt bearbeitet:
Danke für eure schönen, teilweise sehr berührenden Geschichten. Ich mag es, aus den Biografien anderer zu erfahren. Und es hat mich bewogen, ein bißchen über meine leibliche Mutter nachzudenken.

Sie war Jahrgang 1934, ihr erstes lediges Kind bekam sie relativ spät mit 25, das zweite mit 27. In der Zeit war sie als Dienstmädchen in verschiedenen Haushalten, und sie war "in Schande", so wie ihre jüngere Schwester auch. Meine Großmutter hat beide Zeit ihres Lebens als Huren bezeichnet und dafür gesorgt, daß die beiden außerhalb ihres Dunstkreises auf dem bayerischen Land lebten. Ich war das dritte ledige Kind, wurde aber durch die Heirat meiner Mutter mit meinem Vater "legitim". Von ihm weiß ich wenig, er war ursprünglich aus Kroatien, lebte aber als Staatenloser in Deutschland. Erst mit Anfang 40, als mich Verwandte meines Vaters aus den USA kontaktierten, habe ich erfahren, daß er während des Krieges bereits als Jugendlicher nach Deutschland verschleppt und als Erntehelfer auf bayerischen Höfen eingesetzt worden war. Muß ihm dort gefallen haben, sonst wäre er nach dem Krieg nicht dorthin zurückgekehrt.

Ich habe lange Zeit mit Verbitterung und Zorn an meine Eltern gedacht, so sehr ich meinen Vater als Kind auch idealisiert habe. Er war ein Säufer und Schläger. Als meine Mutter starb, hatte sie gerade ihr 5. Kind auf die Welt gebracht, da war sie bereits geschieden und hatte anscheinend mehrere Liebhaber gehabt. Wie auch immer, sie hatte es nicht leicht. Wenn ich aber die wenigen Fotos von ihr ansehe - es sind genau genommen 3, die ich von ihr habe - dann sehe ich eine dunkelhaarige Schönheit, die drall und später als Mutter wie eine Fruchtbarkeitsgöttin aussieht: da hat sie ihr 2. Kind auf dem Arm und lächelt in die Kamera und sieht sehr lebensfroh aus. Das gefällt mir, ich stelle mir gern vor, daß sie trotz dieser spießigen Zeit mit dem Stigma der "Hure" gern gelebt hat. Es hat lange gedauert, bis ich mit ihr meinen inneren Frieden geschlossen hatte, etwas, das ich mit meiner Großmutter, die ihre beiden Töchter bis zu ihrem Tod als Huren bezeichnet hat, nie konnte.

Als ihr Mann, mein angeblicher Großvater, starb, habe ich erfahren, daß meine überlebende jüngste Tante ein uneheliches Kind meiner Großmutter war.

Wie auch immer, es wäre übertrieben zu sagen, daß ich besonders innig an meiner Mutter hänge, ich denke nicht oft an sie. Aber wenn, dann mittlerweile doch mit der Vorstellung, daß sie eine starke, lebensbejahende Frau war, der ich u.a. auch das dringende Bedürfnis verdanke, mich niemals so abhängig von Männern und Konventionen zu machen, wie sie es zu ihren Lebzeiten mußte. Darüber bin ich bis heute froh.
 
Danke für eure schönen, teilweise sehr berührenden Geschichten. Ich mag es, aus den Biografien anderer zu erfahren.

Meine Großmutter hat beide Zeit ihres Lebens als Huren bezeichnet und dafür gesorgt, daß die beiden außerhalb ihres Dunstkreises auf dem bayerischen Land lebten.
Da pflichte ich Dir bei - u.a. auch das Herumtreiben auf Plattformen wie diesen schafft mir Einblicke in Welten die gänzlich fremd sind.
Ich werde nie vergessen, vor vielen Jahren eine recht "lebenslustige" Frau im "Frivoli-Chat" kennen gelernt zu haben - für Nichtösterreicher:
Frivoli ist ein relativ bekannter Swingerclub in Wien.

Durch diese Dame kam ich - obwohl in Wien geboren und aufgewachsen - erstmals in die Großfeldsiedlung ("Plattenbauten" aus den späten 60ern).
Schon das Parkplatzsuchen war ein Eintauchen in eine andere Welt, und auch die Menschen denen ich
am Weg zur "Stiege xx" begegnete war voll neuer Eindrücke.
Wie in Plattenbauten aus dieser Zeit üblich hatten die Wände Ohren - wir haben also die Bewohner mehrerer Wohnungen mitunterhalten.
Frei nach dem Motto: "Sex ist erst wirklich toll, wenn danach auch die Nachbarn eine rauchen".
Die Wortwechsel der Nachbarn mit meiner Gespielin hatten's auch in sich ;)
 
Welche Bedeutung spielen Mütter, Schwiegermütter, Großmütter in eurem Leben?
Mischt Du da nicht zwei Phrasen? .. Rolle spielen - Bedeutung haben? ;)
Meine Großmütter und Stiefgroßmutter leben nicht mehr - wie auch meine Schwiegermutter nicht mehr. Alle wirken in meinem Leben nach wie vor. Je älter ich werde umso stärker fällt mir das auf.
Meine Mutter (war gerade wochenlang von Ausgangssperre und Besuchsverboten betroffen) bzw die Beziehungen zwischen uns sind ambivalent bis komplex ... sie war Flüchhtlingskind, Tochter eines gewalttätigen Vaters ... aber sie bemühte sich zumindest, eine gute Mutter zu sein. ... also mehrere Rollen und Bedeutungen - ja, da habe ich einiges zu tun in meiner Therapie...
 
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Bei mir fällt der Muttertag mit dem Geburtstag meines jüngsten Kindes zusammen.
Und dabei freut mich wirklich, dass aus dem wahrscheinlich "nicht lebensfähigen Fötus" eine wirklich tolle junge Frau geworden ist. :liebe:
Mehr als berührend! Jetzt verstehe ich auch ein wenig mehr..

Ein Fehler unterlief mir - die Mutter meiner Tochter hat vielleicht sogar die größte Bedeutung in meinem Leben .... sie hatte übrigens heuer auch Geburtstag und Muttertag am selben Tag...
 
Welche Bedeutung spielen Mütter, Schwiegermütter, Großmütter in eurem Leben?
Da gibt es niemanden mehr, meine Mutter war ein toller Mensch, und ohne sie wäre sicher manches anders gewesen.
Aber irgendwann war einfach Zeit meinen eigenen Weg zu gehen, war nicht ganz einfach für sie ist aber unabdingbar.
Ich habe zwar ein sehr inniges Verhältnis zu meinen Kindern, aber bemühe mich ihnen soviel Freiraum wie möglich zu geben.
Irgendwie etwas was ich bei meiner Mutter erkämpfen musste!
 
Dazu fällt mir immer wieder das Wort von Khalil Gibran ein:
" Deine Kinder sind nicht deine Kinder, sondern die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst"
 
Dazu fällt mir immer wieder das Wort von Khalil Gibran ein:
" Deine Kinder sind nicht deine Kinder, sondern die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst"
Welche schönen Worte. Defacto versuchen viele Eltern, imho zu viele, die eigenen unerfüllten Sehnsüchte
auf die Kinder zu übertragen - das sieht man dann in Klichees von "Eislaufmüttern", "Fußballvätern" uvm.

Ich habe meine Tochter wohl zu gewissen Verantwortlichkeiten erzogen, Verlässlichkeit und Themen wie "Versprechen auch einhalten"
aber für ihren Lebensweg habe ich sie angehalten, neugierig zu sein, sich für Vieles zu interessieren und dann "das DING" zu suchen
für das sie "brennt". Dann wird sie darin mit guten Chancen gut auch erfolgreich sein.
 
Wenn man dann hier und andernorts mitliest zeigt sich, dass sowas keine Selbstverständlichkeit ist.
Dafür bin ich meinen ELtern von Tag zu Tag mehr dankbar.
Mir geht es auch so. Mir ist ungefähr kurz nach meiner Pubertät klar geworden, dass für viele Menschen die Unterstützung und Liebe der Eltern keine Selbstverständlichkeit ist. Noch heute finde ich Geschichten darüber sehr bewegend und teilweise schockierend. Damit meine ich nicht mal die schrecklichen Fälle wo Gewalt im Spiel ist, sondern welcher Schaden "nur" durch Liebesentzug uä. entstehen kann.
 
Das Thema "Liebesentzug" ist oder wäre tatsächlich selber einen thread wert, denn dieses Thema hat ja ganz viele Facetten, je nachdem von welchem Standpunkt dieses betrachtet wird.

Wenn man nun das Thema Liebesentzug jetzt nur mal von der Achse Eltern zu Kindern betrachtet, dann ist oder war ja der Effekt derjenige, die Kinder zu dem gewünschten Verhalten zu bewegen nach dem Prinzip von Belohnung und Bestrafung.

Von Seiten der Eltern möglicherweise nicht nur, weil körperliche Gewalt früher oder später doch schon aus der Mode und später in Verruf kam bzw als Straftat deklariert wurde, sondern vielmehr oft auch als Ohnmachtszeichen oder auch als Inkompetenz, erzieherisch sonst nichts mehr im Köcher zu haben....

Liebesentzug in Partnerschaften gibt's auf beiden Seiten, und ist immer noch ein Spiel mit psychischer Gewalt.
Wer auch immer dabei mitspielt, fast niemand kann sich dem Mittel Liebesentzug gänzlich entziehen.

Trotzdem besteht auch immer die Möglichkeit, dass einem gewissen Verhalten eines Partners Liebesentzug hineininterpretiert wird, und es handelt sich vielleicht doch eher um Unaufmerksamkeit, Unachtsamkeit oder Hilflosigkeit, vielleicht sogar um ein psychisches Problem.

Und auf der anderen Seite, nämlich der Seite, die diese Lieblosigkeit (scheinbar) abbekommt, vielleicht eher um Empfindlichkeit, Empfindsamkeit, erhöhte Verletzlichkeit oder Vulnerabilität, möglicherweise eben auch um eine Psychische Erkrankung.

Was das Problem erschwert, ist, cdass auch im öffentlichen Bereich körperliche Gewalt klar strafbar ist, während seelische Gewalt kaum oder schwer nachweisbar oder beweisbar ist, dennoch aber sogar oft einen größeren Schaden nach sich zieht.
Genau hier sollte irgendwie weiter nachgedacht und bewusst gemacht werden.....
 
Wenn man nun das Thema Liebesentzug jetzt nur mal von der Achse Eltern zu Kindern betrachtet, dann ist oder war ja der Effekt derjenige, die Kinder zu dem gewünschten Verhalten zu bewegen nach dem Prinzip von Belohnung und Bestrafung.
Unsere jüngste Tochter (geb. 1973) erlebte ein einziges Mal einen Liebesentzug von mir, indem ich einen halben Tag lang nicht mit ihr redete. Dies ist ihr so eingefahren, dass sie gelegentlich auch heute noch darüber spricht. Sie hält ihn allerdings heute für gerechtfertigt.
 
...auch war die Beziehung zu meiner Mutter nicht die Beste.... Vielleicht auch deswegen, weil ich sehr ( oder vielleicht auch zu sehr) nach ihr gerate :D

Und deshalb hoffe ich auch, dass ich mich innerlich mit ihr aussöhnen kann. ;):cool:

Hi,

... eine Parallele, mit dem Unterschied, dass ich genau ihr Gegenteil wurde. Empfinde ich für mich als Erziehungserfolg. Eine innere Aussöhnung fand statt, auch mit der Dankbarkeit, dass sie gewesen; sonst fänden meine Worte keine Niederschrift...

Im übrigen konnte man in den Jahren zuhause noch nicht beurteilen, welche Umstände einen Menschen so formen, wie er ist. Zu diesen Erkenntnisse kommt man nicht selten erst viel zu spät...

LG
 
Hi,

zu beiden Tagen gibt es einen gravierenden Unterschied: ein Muttertag läuft i.d.R. friedvoller ab als mancher Vatertag. Manche Familien sehen jährlich mit Grausen diesem "Ehrentag" entgegen.
LG
Eher nur in Deutschland, ihr habt ihn schon am Donnerstag ;)
Die österreichischen Männer sind braver :D
 
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