Ich dachte eigentlich, dass ich halbwegs intelligent bin und eine recht gute Auffassungsgabe habe. Hier kickt meine Neurodivergenz allerdings so dermaßen, dass ich das Gefühl habe, auditiv gefoltert zu werden.
Es tut mir leid, aber ich verstehe weder ihren Zugang noch den konkreten Nutzen dahinter. Deshalb die ernst gemeinte Frage: Ist das wissenschaftlich fundiert oder eine persönliche Fantasie?
Ich will ja offen für alles sein. Vielleicht ist es auch einfach ihr ganz persönlicher Fetisch. In diesem Fall bin ich natürlich gerne bereit, bei der professionellen Umsetzung dieses Szenarios im Rahmen einer Session behilflich zu sein.
Eines muss man ihr allerdings lassen: Sie ist mit voller Begeisterung dabei. Gibt ja schließlich genügend Herr:innen, bei denen man sich über so viel Motivation durchaus freuen würde.
Meiner Meinung nach ist das nicht nur nicht-fundiert sondern bedenklich. Natürlich, die Fantasie bei Femdom-Sessions kann sein, sich einer als göttlich/erhaben/übergeordnet empfunden Frau auszuliefern. Und dieses Ausgeliefert sein (sie bestimmt, ob ich am Ende das bekomme, was ich mir sehnlich wünsche, oder, ob ich es nicht bekomme) erzeugt sexuelle Erregung. Soweit so gut.
Aber dann kommen Identitäten ins Spiel: ich mag, sexuell gesehen, so ein Mann sein. Es erregt mich, von einer solchen Frau kontrolliert zu werden. Aber es ist eben immer noch ein sexueller Wunsch und sonst nichts. Ich bin nicht wirklich weniger wert. In anderen Teilen meiner Identität bin ich gleich viel wie sie, vielleicht in manchen Dingen ihr sogar überlegen. Aber das tut im Spiel nichts zur Sache.
Die Psychologie kennt kein "wahres Ich", die Identität ist ein Spektrum. Wir alle kennen das. Wir sind bei unseren Eltern anders, als bei unseren Kindern. Bei unseren Kolleg*innen anders, als bei unserer Partner*in, bei unseren Freund*innen anders als bei unseren Geschwistern, wir fallen bei Klassentreffen schnell in die damalige Rolle, egal wie lange es schon her ist. Und wir mögen beim Sex eben eine ganz andere Seite forcieren.
Also tun wir im BDSM-Spiel so, als ob. Die Fähigkeit, so zu tun, als ob, ist Teil einer gesunden Psyche. Wenn jemand sagt, das ist zu wenig, es darf nicht gespielt werden, DU musst dich WIRKLICH ausliefern, vielleicht bekommst du am Ende nicht das, was du wolltest (vermutlich einen intensiven Orgasmus), mag zwar "echter" erscheinen, ist aber etwas, worauf man achten sollte, wenn man es bei sich entdeckt. Man kann in eine Hörigkeit rutschen. Das mag dann zwar consensual sein, safe und sane ist es aber mit Sicherheit nicht.
Ja, wenn man das bedenkt, ist eine Femdom- und jede andere Bdsm-Session ein abgekartetes Spiel. Und es liegt an den Spieler*innen, das Kopfkino so zu bedienen, dass das reicht. Es reichte uns Kindern beim Indianer und Cowboy spiele auch. Wir mussten nicht fürchten, wirklich gemartert oder beschossen zu werden. Wir erlaubten, einem Teil unserer Identität, sich im Spiel zu entfalten.
Und nochmal, zur Sicherheit: wenn das Lili Kama nicht reicht, dann sagt das mehr über sie aus, als über ihre Kunden. Ihre Psycho-Masche ist entweder Marketing-Schmäh oder völlig unfundiert oder beides.