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Ein Artikel, der mich an frühere Zeiten erinnert und wie verwöhnt wir heute sind.
Gibt mir zum Nachdenken an die tolle Zeit der 70er und 80er Jahre.
"Ich erinnere mich in den 80er Jahren an eine Urlaubsreise mit einem Freundespaar mit Hund. Ferienwohnung über die Tageszeitung gebucht. Losgefahren zu viert plus Hund von Ulm einmal quer durch Zentral-Spanien an die Atlantik-Küste Portugals.
Unsere Klimaanlage? Alle Fenster bis zum Anschlag auf, Luft kam rein mit Temperatur ungefähr wie aus dem heißen Fön. Egal. Was haben wir 18 Stunden lang gemacht ohne Handy?
Musikkassetten gehört, gesungen, gequatscht, gedöst und ab und zu angehalten für Pinkelpause. Als wir nachts ziemlich fertig waren, sind wir an den Rastplatz gefahren, Schlafsack oder Decke raus, auf den Boden gelegt und haben 3 Stunden geschlafen. Dann weiter.
Irgendwann lag er vor uns:
DER ATLANTIK
Und 14 unvergessene Tage in Portugal.
Von vielem, was heute zum Überleben bei Hitze angeraten wird, hatten wir vermutlich zu wenig: Wasser. Und wenn, dann selbstverständlich aus der Plastikflasche. Sonnenschutzfaktor 70? Hitzeschutzräume? Fehlanzeige.
Zoom ins jetzt: Mein WG-Mitbewohner ist Ende 20 und schreibt seine Masterarbeit. Angereist ist er mit Auto, Motorrad und tollem Bike. Eingeführt hat er Mikrowelle, großen eigenen TV, Bildschirme, Soundanlage und … mehrere Getränkekisten im Keller.
Mehrere!
Alter. Wir hatten manchmal einfach Durst.
Ja, ich mag auch Komfort und auf vieles will man einfach heute nicht mehr verzichten. Schon klar. Aber ich frage mich mittlerweile, ob wir bei all dem Komfort nicht auch etwas abgeschafft haben, das uns damals ganz nebenbei trainiert hat:
Sowas wie Reibung kennenlernen. Oder Spannung aushalten, weil was nicht gleich verfügbar war oder funktioniert hat.
Wenn du jemanden angerufen hast und er war nicht da, war er nicht da.
Keine WhatsApp.
Kein:
„???“
Kein:
„Wo bist duuuu?“
Kein:
„Bin 15 Min später
“
Wenn dein Zug um 14:32 Uhr fuhr und du um 14:34 Uhr auf dem Bahnsteig standest, hattest du keine „andere Wahrheit“.
Es ist schön, heute im klimatisierten Zug zu sitzen und Unpünktlichkeit lässt sich damit leichter ertragen.
Was haben wir früher gemacht?
Alle Fenster runter, Durchzug mit Windstärke 7 und am Ende Tina Turner Frisur auf Platz 43. Cool.
Oder Telefonzelle im Hochsommer?
Eine Hand am Hörer, den diametral gelegenen Fuß gegen die Türe gestemmt – Telefonat gerettet. Ich habe damals nie über Hitzetote in der Telefonzelle gelesen…
Wir waren wahre Überlebenskünstler! Warum?
Weil wir über die Schwierigkeiten unserer Zeit etwas gelernt haben:
Wir mussten warten.
Uns langweilen.
Improvisieren.
Ein Nein aushalten.
Einen Korb überleben.
Eine Verabredung einhalten.
Mit dem zurechtkommen, was gerade da war.
Etwas Neues erfinden.
Woher soll ein Mensch wissen, dass er etwas aushalten kann, wenn ihm jede Unannehmlichkeit möglichst sofort abgenommen wird?
Woher kommt Geduld, wenn man nie warten muss?
Woher Durchhaltevermögen, wenn alles möglichst bequem sein soll?
Woher Erfindergeist, wenn für jedes Problem schon ein Gerät auf der Küchenzeile steht?
Woher das Vertrauen: „Ich krieg das hin…“
… wenn man kaum noch etwas hinkriegen MUSS?
Manchmal habe ich so crude Gedanken wie: Wenn im Außen schon alles für mich erledigt wird – Essen kommt, Unterhaltung kommt, Orientierung kommt, Kommunikation kommt – wo erlebe ich mich dann eigentlich noch selbstwirksam?
Woher weiß ich, was in mir steckt, wenn kaum noch etwas von mir verlangt wird?
Wir sollten als Babyboomer langsam aufhören, uns unsere Generation von anderen erklären zu lassen.
Ja, wir haben Fehler gemacht. Wie jede Generation vor uns und jede nach uns.
Aber wir bringen auch etwas mit in diese Zeit, das gerade ziemlich wertvoll sein könnte:
Wir können improvisieren, wenn etwas nicht funktioniert.
Wir kennen Warten, ohne daran zugrunde zu gehen.
Wir haben gelernt, uns durchzubeißen.
Wir können aus wenig etwas machen.
Wir wissen, dass ein Nein nicht das Ende der Welt ist.
Und viele von uns haben dieses ziemlich unerschütterliche:
„Dann gucken wir halt mal, wie wir das hinkriegen.“
Das ist kein überholtes Betriebssystem.
Das ist Lebenserfahrung.
Also. Wir müssen gar nicht dauernd kleinlaut darüber diskutieren, was unsere Generation alles falsch gemacht hat.
Wir könnten uns auch mal wieder daran erinnern, was wir verdammt gut können.
Diese Welt braucht nicht weniger von uns.
Sie braucht unsere Erfahrung – ohne erhobenen Zeigefinger.
Denn Komfort ist großartig.
Aber Resilienz gibt’s noch immer nicht auf Knopfdruck.
Nicht mal im Airfryer.
"
Gibt mir zum Nachdenken an die tolle Zeit der 70er und 80er Jahre.
"Ich erinnere mich in den 80er Jahren an eine Urlaubsreise mit einem Freundespaar mit Hund. Ferienwohnung über die Tageszeitung gebucht. Losgefahren zu viert plus Hund von Ulm einmal quer durch Zentral-Spanien an die Atlantik-Küste Portugals.
Unsere Klimaanlage? Alle Fenster bis zum Anschlag auf, Luft kam rein mit Temperatur ungefähr wie aus dem heißen Fön. Egal. Was haben wir 18 Stunden lang gemacht ohne Handy?
Musikkassetten gehört, gesungen, gequatscht, gedöst und ab und zu angehalten für Pinkelpause. Als wir nachts ziemlich fertig waren, sind wir an den Rastplatz gefahren, Schlafsack oder Decke raus, auf den Boden gelegt und haben 3 Stunden geschlafen. Dann weiter.
Irgendwann lag er vor uns:
DER ATLANTIK
Und 14 unvergessene Tage in Portugal.
Von vielem, was heute zum Überleben bei Hitze angeraten wird, hatten wir vermutlich zu wenig: Wasser. Und wenn, dann selbstverständlich aus der Plastikflasche. Sonnenschutzfaktor 70? Hitzeschutzräume? Fehlanzeige.
Zoom ins jetzt: Mein WG-Mitbewohner ist Ende 20 und schreibt seine Masterarbeit. Angereist ist er mit Auto, Motorrad und tollem Bike. Eingeführt hat er Mikrowelle, großen eigenen TV, Bildschirme, Soundanlage und … mehrere Getränkekisten im Keller.
Mehrere!
Alter. Wir hatten manchmal einfach Durst.

Ja, ich mag auch Komfort und auf vieles will man einfach heute nicht mehr verzichten. Schon klar. Aber ich frage mich mittlerweile, ob wir bei all dem Komfort nicht auch etwas abgeschafft haben, das uns damals ganz nebenbei trainiert hat:
Sowas wie Reibung kennenlernen. Oder Spannung aushalten, weil was nicht gleich verfügbar war oder funktioniert hat.
Wenn du jemanden angerufen hast und er war nicht da, war er nicht da.
Keine WhatsApp.
Kein:
„???“
Kein:
„Wo bist duuuu?“
Kein:
„Bin 15 Min später
“Wenn dein Zug um 14:32 Uhr fuhr und du um 14:34 Uhr auf dem Bahnsteig standest, hattest du keine „andere Wahrheit“.
Es ist schön, heute im klimatisierten Zug zu sitzen und Unpünktlichkeit lässt sich damit leichter ertragen.
Was haben wir früher gemacht?
Alle Fenster runter, Durchzug mit Windstärke 7 und am Ende Tina Turner Frisur auf Platz 43. Cool.
Oder Telefonzelle im Hochsommer?
Eine Hand am Hörer, den diametral gelegenen Fuß gegen die Türe gestemmt – Telefonat gerettet. Ich habe damals nie über Hitzetote in der Telefonzelle gelesen…
Wir waren wahre Überlebenskünstler! Warum?
Weil wir über die Schwierigkeiten unserer Zeit etwas gelernt haben:
Wir mussten warten.
Uns langweilen.
Improvisieren.
Ein Nein aushalten.
Einen Korb überleben.
Eine Verabredung einhalten.
Mit dem zurechtkommen, was gerade da war.
Etwas Neues erfinden.
Woher soll ein Mensch wissen, dass er etwas aushalten kann, wenn ihm jede Unannehmlichkeit möglichst sofort abgenommen wird?
Woher kommt Geduld, wenn man nie warten muss?
Woher Durchhaltevermögen, wenn alles möglichst bequem sein soll?
Woher Erfindergeist, wenn für jedes Problem schon ein Gerät auf der Küchenzeile steht?
Woher das Vertrauen: „Ich krieg das hin…“
… wenn man kaum noch etwas hinkriegen MUSS?
Manchmal habe ich so crude Gedanken wie: Wenn im Außen schon alles für mich erledigt wird – Essen kommt, Unterhaltung kommt, Orientierung kommt, Kommunikation kommt – wo erlebe ich mich dann eigentlich noch selbstwirksam?
Woher weiß ich, was in mir steckt, wenn kaum noch etwas von mir verlangt wird?
Wir sollten als Babyboomer langsam aufhören, uns unsere Generation von anderen erklären zu lassen.
Ja, wir haben Fehler gemacht. Wie jede Generation vor uns und jede nach uns.
Aber wir bringen auch etwas mit in diese Zeit, das gerade ziemlich wertvoll sein könnte:
Wir können improvisieren, wenn etwas nicht funktioniert.
Wir kennen Warten, ohne daran zugrunde zu gehen.
Wir haben gelernt, uns durchzubeißen.
Wir können aus wenig etwas machen.
Wir wissen, dass ein Nein nicht das Ende der Welt ist.
Und viele von uns haben dieses ziemlich unerschütterliche:
„Dann gucken wir halt mal, wie wir das hinkriegen.“
Das ist kein überholtes Betriebssystem.
Das ist Lebenserfahrung.
Also. Wir müssen gar nicht dauernd kleinlaut darüber diskutieren, was unsere Generation alles falsch gemacht hat.
Wir könnten uns auch mal wieder daran erinnern, was wir verdammt gut können.
Diese Welt braucht nicht weniger von uns.
Sie braucht unsere Erfahrung – ohne erhobenen Zeigefinger.
Denn Komfort ist großartig.
Aber Resilienz gibt’s noch immer nicht auf Knopfdruck.
Nicht mal im Airfryer.
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