Erotik in Literatur

Mitglied #764459

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Hey ihr großen und kleinen Personen des EF😏!

Ich habe mich gefragt, ob es hier auch möglich wäre eine Sammlung von erotischen Zeilen aus Büchern gemeinsam zu erstellen?
Immerhin gibt es ja auch "die besten Pornos" oder so- bin ich vor Jahren Mal darüber gestoßen-, warum nicht auch "die besten Kopfkinos" aufgrund von Zeilen eines Buches/ Textes?

Da mir viele Romane einfallen, jedoch einer lange Zeit im Vordergrund schwebte, teile ich diese Zeilen nun mit euch. Mal sehen, was euch dazu einfällt und ihr dazu schreibt🤔.

Also der Roman heißt "Der Körper meines Lebens" von Daniel Pennac und wen es interessiert, die Handlung kurz zusammengefasst:
Es handelt sich um einen Mann, anfangs noch Jungen (12 Jahre), der beginnt immer wieder tagebuchartig Veränderungen und Erlebnisse seines Körpers zu notieren, sein ganzes Leben bis zum Tod. War für mich deshalb interessant zu lesen, da man als Frau"vermeintlich" den männlichen Körper/ Geist ein wenig besser verstehen lernt.

Nun zu den Zeilen beginnend auf Seite 373- 374, der Protagonist ist 74 Jahre, 5 Monate und 6 Tage alt:

"São Paulo, Rio, Recife, Porto Alegre, São Luis, es gelang ihr mir die meisten offiziellen Essen zu ersparen und mir ein paar besondere Viertel zu zeigen, auch mich mit Musikern und Philosophen bekanntzumachen, von denen sie wollte, dass ich sie kennenlerne, und nun liegt ihre Hand auf meiner. Meine kleine Nazaré, sage ich (sie ist fünfund-zwanzig), danke, wirklich, aber das wäre vergeudete Liebesmüh, die Jahre haben dafür gesorgt, dass es nicht mehr geht. Sie glauben bloß nicht an die Wiederauferstehung, wendet sie ein. Unter anderem auch deshalb, weil das Skalpell da einiges zurückgestutzt hat, weil das Verlangen erlahmt ist, weil ich monogam bin und dreimal so alt wie sie, und weil ich meine Identität nicht mehr über die Sexualität definiere, weshalb sie sich in meinem Bett langweilen würde und ich mich in ihrem bedauern. Einwände von so geringer Überzeugungskraft, dass sich hinter uns eine Zimmertür schließt, ehe ich die Liste vollständig heruntergebetet habe. Wir lassen uns einfach gleiten, sagt sie, während sie uns beide auszieht, und tatsächlich ist es ein Gleiten, Seide auf Haut, Langsamkeit auf Langsamkeit, Nackte auf Nacktem, so zarte Berührungen, dass die Zeit, die Schwerkraft und die Angst sich verflüchtigen.
Nazaré sage ich nicht sonderlich überzeugend, Monsieur flüstert sie und tüpfelt meinen Hals mit winzigen Küssen, die Tage der Vorträge sind vorbei, es gibt nichts mehr, was Sie noch im Griff haben müssten. Dann küsst sie sanft meine Brust, meinen Bauch und den Rücken meines Schwanzes, der aber nicht erbebt, dieser Eumel, doch mir ist das gleich, bleibt dir überlassen, ob du mit uns mitspielen willst oder nicht, alte Haut, die Küsse erreichen die Innenseiten meiner Schenkel, wo Nazarés Zunge ihrem Gesicht den Weg öffnet, während ihre Hände unter meine Hinterbacken gleiten, und ich mich aufbäume, und meine Hände sich in ihrer herrlichen Mähne verirren, und ihre Zunge mich anhebt, und ihre Lippen mich versenken, und ich also in ihrem Mund bin, wo ihre Zunge langsam zu drechseln beginnt, begleitet vom Hin und Her ihrer modellierenden Lippen, und ich, ja, ich wachse wahrhaftig empor, bescheiden zwar, aber eben doch, Nazaré, Na-zaré, und werde wahrhaftig hart, ganz langsam zwar, aber allmählich doch merklich, Nazaré, oh Nazaré, deren Gesicht ich zu meinen Lippen hinaufziehe, während wir uns um unsere Achse drehen, und Nazaré, die sich öffnet und mich aufnimmt, Nazaré, zu der ich hineingehe wie einer, der endlich nach Hause kommt, ein wenig schüchtern, es ist so lange her, ich verharre zunächst auf der Schwelle, es wird nicht anhalten, sage ich mir, und sagen Sie sich nicht, dass es nicht anhalten wird, flüstert Nazaré mir ins Ohr, ich liebe Sie, Monsieur, und da gehe ich ganz zu ihr hinein und zu mir nach Haus, in das Herkunftshaus, ich gleite in die feuchte und geschmeidige wiedergefundene Wärme, wachse noch weiter, vertrauensvoll, die Zeit ist außer Kraft, so dass ich den Ausbruch von fern heraufkommen spüre, dass ich sein Nahen vollkommen auskoste, ihn zurückhalte, seine Verheißung genieße, ihn weiter aufsteigen lasse und wieder zurückdämme, bis ich schließlich explodiere. Sie kommen, sagt Nazaré zu mir, die mich fest an sich drückt, ich komme, ja, sage ich, und komme wie ein Wiederauferstandener."

Viel Spaß beim Denken und wahrscheinlich Nachlesen, Suchen von Textpassagen😘!
 
Empfehlen allen, die sich für erotische Texte, aber auch generell für erotische Kunst interessieren, diese Reihe:



Mittlerweile ist bereits der vierzigste Band erschienen!

Auch gibt es zusätzlich andere Reihen, wie etwa "Mein lesbisches Auge".

Wir lieben das:

 
Ich habe mich gefragt, ob es hier auch möglich wäre eine Sammlung von erotischen Zeilen aus Büchern gemeinsam zu erstellen?
Immerhin gibt es ja auch "die besten Pornos" oder so- bin ich vor Jahren Mal darüber gestoßen-, warum nicht auch "die besten Kopfkinos" aufgrund von Zeilen eines Buches/ Textes?
Ich bin geradezu begeistert von dieser Idee!:cool::love:
... werd einmal darüber nachgrübeln, welche Werke für mich besonders herausstechen.

Die Textpassage gefällt mir erstaunlich gut! Vermutlich besonders durch mein Faible für Metaphern 😅

Kopfkino hat jedenfalls funktioniert ... es war eines dieser alten mit 35mm Filmprojektor wo man das Malteserkreuzgetriebe klackern hört, das Bild leicht flackert und der leichte Geruch von etwas Kontaktfett und Staub auf der heißen Bogenlampe wahrnehmbar ist. :sneaky:
 
Empfehlen allen, die sich für erotische Texte, aber auch generell für erotische Kunst interessieren, diese Reihe:



Mittlerweile ist bereits der vierzigste Band erschienen!

Auch gibt es zusätzlich andere Reihen, wie etwa "Mein lesbisches Auge".

Wir lieben das:

Gibt es denn einen Abschnitt, einen Text der dir/ euch besonders zusagt? und würdest du diesen mit uns teilen?
 
Lasst mich wieder Lebensgeister in diesen tief begrabenen, aber vom Thema her besonders aufregenden, Thread hauchen. :sneaky:

Ich hab schon ein paar Mal im Forum Daniel Glattauers "Gut gegen Nordwind" erwähnt. Das Buch hat einige erotische Stellen, auch wenn der Text viel mehr davon lebt, was noch gerade nicht passiert. Es ist leider nicht so einfach daraus zu zitieren, da meist irgendwo der notwendige Zusammenhang fehlt.

Noch kurz zur Erklärung: Das Buch besteht aus einem zufälligen, sich immer weiter romantisch verstrickenden E-Mail Verlauf zwischen einer verheirateten Frau und einem Mann. (mehr möchte ich nicht spoilern)
Dieser Ausschnitt beschreibt ihren Plan sich zu treffen (dieses Mal nicht nur anonym im Messecafe Huber ;))

Drei Minuten späterAW: Emmi, nein, nicht verraten! Im Gegenteil. Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Sie dürfen mich nicht auslachen, ich meine es ernst. Ich würde gerne die Türe angelehnt lassen. Sie kommen herein. Sie treten vom Vorraum in das erste Zimmer links. Es ist verdunkelt. — Ich umarme Sie, ohne Sie zu sehen. Ich küsse Sie blind. Ein Kuss. Nur ein einziger Kuss!!


50 Sekunden späterRE: Und dann soll ich wieder gehen?


Drei Minuten späterAW: Aber nein! Ein Kuss — und dann ziehen wir die Jalousien hoch, dann sehen wir, wen wir geküsst haben. Dann drücke ich Ihnen ein Glas Wein in die Hand und dann stoßen wir auf uns an. Und dann werden wir weitersehen.


Eine Minute späterRE: Für mich ein Glas Whiskey! Ansonsten bin ich mit Ihrem rituellen Begrüßungsprogramm einverstanden. Es ist im Grunde nichts anderes als die Augenbinden-Nummer, nur ohne Augenbinde, also etwas romantischer. Klar, das machen wir! Äh, machen wir es wirklich? Das ist doch Wahnsinn, oder?


40 Sekunden späterAW: Klar, das machen wir wirklich!


Vier Minuten späterRE: Aber Leo, riskant ist es schon. Ich hab ja keine Ahnung, ob ich mag, wie Sie küssen. Wie küssen Sie? Eher fest oder eher weich, eher trocken oder eher flüssig? Wie präsentieren sich Ihre Zähne, scharf oder stumpf? Wie offensiv und gelenkig ist Ihre Zunge? Fühlt sie sich eher wie Hartplastik oder wie Schaumgummi an? Haben Sie die Augen beim Küssen offen oder geschlossen? (Okay, das ist im Falle der Blindverkostung egal.) Was machen Sie mit Ihren Händen? Greifen Sie mich an? Wo? Wie fest? Sind Sie ganz still oder atmen Sie laut oder machen Sie Geräusche mit dem Mund? Also, Leo, sagen Sie: Wie küssen Sie?


Drei Minuten späterAW: Ich küsse so ähnlich, wie ich schreibe.


50 Sekunden späterRE: Das war jetzt zwar mächtig angeberisch, aber es klingt nicht schlecht, Leo. Aber, übrigens: Sie schreiben äußerst unterschiedlich!


45 Sekunden späterAW: Ich küsse auch äußerst unterschiedlich.


Vier Minuten späterRE: Wenn Sie mir versprechen, dass Sie so küssen, wie Sie mir gestern und heute geschrieben haben, dann riskiere ich es!


35 Sekunden späterAW: Dann riskieren Sie es!


Zwölf Minuten späterRE: Und wenn wir nach dem Kuss mehr wollen?


40 Sekunden späterAW: Dann wollen wir mehr.


50 Sekunden späterRE: Tun wir dann auch mehr?


35 Sekunden späterAW: Ich glaube, das werden wir in der Situation ganz genau wissen.


Zwei Minuten späterRE: Hoffentlich weiß es nicht nur einer von uns.

...
Ich hab es inzwischen wirklich lange nicht mehr gelesen, aber für mich war dieses Buch wirklich spannend und aufregend, ... allerdings auch emotional aufwühlend und (zumindest für mich) nicht so einfach zu verarbeiten. (nur als kleine Warnung)
Im Grunde handelt es von einer Art Fremdgehen ohne Körperkontakt.
Der Zitierte Passus stammt aus dem Kapitel gegen Ende des Buchs.

Für alle die Hörbücher mögen: Die Hörbuchfassung, gelesen von Andrea Sawatzki und Christian Berkel ist wirklich herausragend gut!:cool:
 
@Mitglied #761844, danke für diesen spannenden Ausschnitt und die Widerbelebung des Beitrages!

Ja, das klingt nach Literatur, die mir auch gefallen könnte😍 und noch kenne ich dieses Buch nicht. Vielen herzlichen Dank für den Vorschlag!
 
Mir fallen da bloß Zeilen aus einem Liebesbrief ein.

In meinem Zimmer rußt der Ofen.
In meinem Herzen rußt nur du.
Ich höre das Zwitschern von Vögeln
Beim Vögeln hören wir gemeinsam zu

oder so ungefähr
Hab heut an pötischen Tag
 
Der Zitierte Passus stammt aus dem Kapitel gegen Ende des Buchs.

Für alle die Hörbücher mögen: Die Hörbuchfassung, gelesen von Andrea Sawatzki und Christian Berkel ist wirklich herausragend gut!:cool:
Danke für den Buchtipp/ Hörbuchtipp!
War echt voller Sehnsucht und Begierde der Protagonisten😍🫠, bloß das Ende war halt ein Ende. Gut oder auch schlecht, dass es einen zweiten Teil gibt...
Ich werde sehen/ hören, ob der Teil dann noch mithalten kann...
 
Danke für den Buchtipp/ Hörbuchtipp!
War echt voller Sehnsucht und Begierde der Protagonisten😍🫠, bloß das Ende war halt ein Ende. Gut oder auch schlecht, dass es einen zweiten Teil gibt...
Ich werde sehen/ hören, ob der Teil dann noch mithalten kann...
Freut mich sehr, dass es dir gefallen hat! :giggle:
Ja diese Begierde ist fast greifbar in den Zeilen. Ich finde auch recht erstaunlich wie "echt" die Protagonisten, zumindest auf mich, wirken. Vielleicht hatte ich bisher einfach Pech bei dem wenigen an erotischer/romantischer Literatur die ich gelesen hab, aber meistens wirft mich irgendeine Stelle zu unsanft aus meinem Kopfkino. Dieses Buch ist eines der wenigen, das mich in seiner Welt hat halten können und das obwohl ich so ein Szenario wie in diesem Buch über Jahre für wahnsinnig unrealistisch gehalten hab.
Seit ich dieses Jahr das EF entdeckt und durch den ein oder anderen Thread im Forum geschmökert hab, muss ich sagen, dass die Geschichte vielleicht doch nicht ganz so weit hergeholt ist, wie ich immer dachte. 😅

Was das Ende angeht gib ich dir recht. Viel treffender als "das Ende war halt ein Ende" kann ich es auch nicht beschreiben. Früher hab ich solche Enden für cleverer befunden als sie ehrlich gesagt verdient haben. Inzwischen denk ich mir über den Autor in solchen Fällen "Feig!!! Traust dich nicht, ha? :shifty: Komm schon, trau dich was! :lalala:"
 
Siehe, schön bist du, meine Freundin,
siehe, du bist schön.
Hinter dem Schleier
deine Augen wie Tauben.
Dein Haar gleicht einer Herde von Ziegen,
die herabzieht von Gileads Bergen.
Deine Zähne sind wie eine Herde
frisch geschorener Schafe,
die aus der Schwemme steigen,
die alle Zwillinge haben, der Jungen beraubt ist keines von ihnen.
Wie ein purpurrotes Band sind deine Lippen
und dein Mund ist reizend.
Dem Riss eines Granatapfels gleicht deine Wange
hinter deinem Schleier.
Wie der Turm Davids ist dein Hals,
in Schichten von Steinen erbaut;
tausend Schilde hängen daran,
lauter Waffen von Helden.
Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein,
die Zwillinge einer Gazelle,
die unter Lilien weiden.
Wenn der Tag verweht und die Schatten fliehen,
will ich zum Myrrhenberg gehen,
zum Weihrauchhügel.
Alles an dir ist schön, meine Freundin,
kein Makel haftet dir an.

(שיר השירים, wörtlich übersetzt, das Lied der Lieder, im christlichen Umfeld zumeist "das Hohelied" genannt, 4. Vers aus der deutschen Einheitsübersetzung)

Auch wenn die Metaphern nicht mehr ganz so gut zünden, wie vor 3.000 Jahren, so kann man sich doch vorstellen, weshalb dieser Teil der Bibel in katholischen Kirchen nicht wirklich häufig gelesen wird. Das ganze Lied ist wunderschön, ich lese es zuweilen, allerdings sind die deutschen Übersetzungen gerne eher schwach und neigen dazu, zu zensieren, was im Original sehr unverblümt daher kommt.
 
(שיר השירים, wörtlich übersetzt, das Lied der Lieder, im christlichen Umfeld zumeist "das Hohelied" genannt, 4. Vers aus der deutschen Einheitsübersetzung)
Wenn ich hier drinnen mit einem nicht gerechnet hätte dann wären es wohl Bibelzitate gewesen :oops:!
Aber cool dass man selbst dort sowas findet.

Ich hab auch schon ein paar Textpassagen im Kopf, aber ich muss noch bei Gelegenheit die Bücher rauskramen und abtippen. Zeit und Muße sind leider oft ein bisschen knapp im Moment.
 
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