ORF Artikel: Illegale Prostitution in Wohnungen nimmt zu

Der Grad des Missstandes ist nicht messbar, es bleibt ein Missstand, gleiches gilt für Diskriminierung und Ungleichbehandlung.

Irgendwie bezweifle ich, dass MenschenrechtsaktivistInnen diverser Regime dieser Aussage zustimmen würden.
Bei allem lobenswerten Bestreben die Dinge immer weiter zum Besseren zu ändern,
jammern wir - mit Verlaub - auf hohem Niveau.

Mir ist es jedenfalls lieber, dass der Staat in einer Branche, in der es auch kriminelle Strukturen gibt, einmal zu viel hinsieht als zu wenig.

Ich habe mich auch bisher weder von Gesetzen noch BeamtInnen diskriminiert gefühlt, von der öffentlichen Meinung - hier täglich nachzulesen - hingegen schon.
 
Ich hätte nicht gedacht, dass das novellierte Prostitutionsgesetz so ambivalent betrachten werden würde, wie es jetzt ist. Wenn ich so zurückdenke, sind zwar vor 10 Jahren einige Lokale verloren gegangen, die nicht genehmigungsfähig waren, aber im Grossen und Ganzen sehe ich eine grossflächige Verbesserung. Ich fand auch, dass die tonangebenden Lokale der damaligen Zeit sich am Anfang sogar alle noch stark verbessert haben. GT, FP, Babylon, Maxim, EW, Simplytop, Okaybar (R.I.P.) und CO. Nicht zuletzt die PS Burggasse und das Laufhaus Juchgasse und auch die Zollgasse als Addendum. Die im Anschluss gebauten Laufhäuser wie das LH Vienna und ICI Paris sind sehr gut und auch das Fresh ist als Lokal einwandfrei. Die Locations sind besser geworden und die Betreiber, die ich kenne, sagen alle, dass die Transparenz und halbwegs klaren Regeln kein Nachteil sind, wenn man es mit dem Wilden Westen von früher vergleicht.
Dass es aus der Sicht der selbstständigen gestandenen SWs aus Österreich, die es gewöhnt sind, sich selbst zu organisieren und zu vermarkten immer noch besser ginge, ist mir schon klar aber wenn ich mir ansehe, wie unbeholfen manche Anfängerinnen sind, müssen die heilfroh sein, dass sie in einem seriösen Lokal anfangen und nicht alleine versuchen müssen, Fuss zu fassen. Auch wenn Booksusi offenbar ein Tool ist, das sehr schnell und mit geringen Einstiegshürden den Cashflow anwirft, kann man es doch nicht ernsthaft dulden wollen, dass einfach jede Person, die es so will, nach Wien kommt, sich über Freunde von Bekannten eine Wohnung zu horrenden Mietpreisen ohne Rechnung nimmt und dann ohne Gesundheitskontrolle und ein Grundwissen über die herrschenden Gesetze und Sitten, zu arbeiten beginnt.
 
Nur Wort zu booksusi:
Ja, es ist tatsächlich eine Plattform, die einen gewissen und schnellen Cashflow ermöglicht.
Ob das so einfach ist wie dargestellt, bezweifle ich allerdings.
Natürlich ist der Anteil der korrekten, netten und normalen Kunden hoch.
Aber gerade wenn man neu ist, wühlt man sich auch durch einen gewaltigen Strom an Tastenwixern, Telefonerotikern, Fakebestellern und Heiratsanträgen und der Kathegorie, ich bin so schön und mach es gratis.
Das mag auf locanto noch schlimmer sein, aber diesen Spagat zwischen echt/ unecht und das Filtern potentieller Kandidaten gerade am Anfang ist auch nicht so leicht, wie man annehmen möge.
Jemand der nicht internetaffin ist, wird auch bereits an der Erstellung des Inserates scheitern.
Ein Beispiel aus der Praxis:
Eine Kollegin XY war plötzlich damit konfrontiert, ihre erste Annonce selbst zu schalten, was nach geringer Assistenz gut gelang.
Mit Handy und Kondomen bewaffnet voller Tatendrang startete Sie und die ersten 3 Jobs waren kein Erfolg.
Die erste Adresse war falsch, der 2. Öffnete nicht und der dritte Kunde wollte AO mit den Worten, tut ja nicht weh.
Nummer 4 war ein äußerst charmanter netter Kunde, welcher bis heute ihr Stammkunde ist.
Also wie gesagt, BS ist durchaus kapitalträchtig, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht mit dem schnellen Geld.
Und gerade bei BS hab ich persönlich auch schon alles gehabt, von 20 € Angeboten im Auto bis zum Overnight im Luxushotel.
Zumindest die Bandbreite ist mal gigantisch. :)

Die Idee, dass eine Öffnung hin zur Wohnungsprostitution den Markt überschwemmen würde:
Ich glaube nicht, dass dies so ist.
Erstens fördert dies Unabhängigkeit und Selbstständigkeit. Du brauchst Startkapital, ein Grundwissen, wie und wo man wirbt, Zeitmamagement ( nicht jeder Kunde ist pünktlich, Stau, Ladehemmung, Verlängerung ).
Im Bordell kann man durchaus in FlipFlops mit 2 € in der Tasche aufschlagen, ohne Landeskenntnis wenn man einen servisierten Betrieb wählt.
Ich bin also der Meinung, es erweitert nur die Bandbreite und ich glaube nicht, dass konzessionierte Betriebe davon Schaden nehmen.
Die Erlaubnis würde eher, die die eh schon in Wohnungen arbeiten legalisieren und erreichbarer machen, weil sie sich weniger verstecken müssen.
In der Illegalität arbeiten, ist rechtloserer Raum, und rechtloser zu sein bedeutet, angreifbarer.
Wie und in welcher Form man dies umsetzen könnte, gehört gut durchdacht und sollte tatsächlich nur nicht störende Bereiche umfassen.
Ich bin mir persönlich nicht ganz sicher, ob mir eine Arztpraxis mit 40 Patienten am Tag lieber wäre oder eine Sexarbeiterin, wo 5 verstohlene Gäste hinein schleichen in der Nachbarschaft, wohl aber eher das Minibordell.
Gäste, die grölend, betrunken Frauen anpöbeln sind eher die Ausnahme. In einer Kneipe oder Diskothek ist sowas wahrscheinlicher, wenn auch hier unerhört.
Es prügeln sich auch nicht dutzende Zuhälter vor der Wohnung.
Die Sexarbeiter/ Innen heute sind wenig lukrativ für Zuhälter/ Innen.
Ich sage nicht, dass es das nicht gibt..Natürlich gibt es das noch und jeder Fall ist einer zu viel und tragisch und furchtbar.
Die stärkste Waffe gegen Ausbeutung sind nun mal Rechte und unkomplizierte Hilfestellung nicht noch mehr Regeln.
Dem /der Zuhälter/ In ist eine Kontrolle eher egal, er / sie sorgt schon dafür, dass in den 5 Minuten nichts falsches gesagt wird.
Aufklärung über Rechte und unkomplizierte Hilfsangebote und Stärkung der Rechte helfen tatsächlichen Opfern leichter zu entkommen.
Aber das allgemeine Bild, dass fast jede Sexarbeiter/ In eine/n Zuhälter/In hat, der / die in der Wohnung sitzt, stimmt einfach nicht mehr.
Die öffentliche Meinung kennt Opfer oder privilegiert.
Wo sind die tausenden freiwilligen Sexarbeiter /Innen, die weder das eine noch das andere sind, Luft ?
 
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Nur Wort zu booksusi:
Ja, es ist tatsächlich eine Plattform, die einen gewissen und schnellen Cashflow ermöglicht.
Ob das so einfach ist wie dargestellt, bezweifle ich allerdings.

Aber du wirst mir zustimmen, dass es in sehr kurzer Zeit möglich ist, ein nicht angemeldetes Gewerbe solo zu betreiben.

Natürlich ist der Anteil der korrekten, netten und normalen Kunden hoch.
War der nicht früher bei den Lokalen in Prozenten verglichen mit den Unangenehmen noch höher?
Jemand der nicht internetaffin ist, wird auch bereits an der Erstellung des Inserates scheitern.
Vollste Zustimmung

Die Idee, dass eine Öffnung hin zur Wohnungsprostitution den Markt überschwemmen würde:
Ich glaube nicht, dass dies so ist.

Das klingt für mich ein bisschen naiv. Die Szene ist jetzt schon einer deutlichen Veränderung unterzogen worden und die langen Lockdowns könnten die Pay6-Landschaft auf lange Zeit verändert haben. Klar wird der "Markt" dort überschwemmt werden, wo man schnell zu Geld kommt, das man sofort braucht, bis die nächste Änderung kommt. Und je länger die SWs die Möglichkeit haben, auf Booksusi mit etwas Geschick SOFORT einzusteigen, werden sie das auch tun.

Das was im Lockdown bei geschlossenen Lokalen passiert ist und noch immer anhält und den Markt nachhaltig verändert hat, soll dann bei Legalität wieder zurückgehen? Der Markt ist jetzt schon mit illegalen Angeboten überschwemmt, was die Polizei ja in dem Artikel und Interview bestätigt.

Ich bin also der Meinung, es erweitert nur die Bandbreite und ich glaube nicht, dass konzessionierte Betriebe davon Schaden nehmen.

Ich befürchte, der Schaden ist jetzt schon irreversibel und ein entsprechendes Gesetz würde sehr viele kleinere Lokale auslöschen. Und für Leute, die geschäftlich ihre Kunden in Lokale bringen, um ihre Abschlüsse zu feiern wird es auch nicht unbedingt gut ankommen, wenn man dann im Stiegenhaus einer Wohnung steht. Nur als Beispiel, weil mich das partiell konkret beruflich betrifft. Privat wäre es egal.
 
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Nur Wort zu booksusi:
Ja, es ist tatsächlich eine Plattform, die einen gewissen und schnellen Cashflow ermöglicht.
Ob das so einfach ist wie dargestellt, bezweifle ich allerdings.
Natürlich ist der Anteil der korrekten, netten und normalen Kunden hoch.
Aber gerade wenn man neu ist, wühlt man sich auch durch einen gewaltigen Strom an Tastenwixern, Telefonerotikern, Fakebestellern und Heiratsanträgen und der Kathegorie, ich bin so schön und mach es gratis.
Das mag auf locanto noch schlimmer sein, aber diesen Spagat zwischen echt/ unecht und das Filtern potentieller Kandidaten gerade am Anfang ist auch nicht so leicht, wie man annehmen möge.
...

Auch umgekehrt ist das filtern auf BS gar nicht so einfach, VOR ALLEM wenn man vermeiden möchte mit Mädchen ins Geschäft zu kommen, die nicht freiwillig diese Arbeit tun.
Gut, mit etwas Erfahrung wird es etwas leichter, aber manchmal muss man schon genau hinschauen.

Andererseits gibt es auch Damen deren Geschäftspolitik ich nicht ganz verstehe (ich verlange 4.500€ für eine halbe Stunde, ohne Extras, wenn du verhandeltst bist ein Arsch, und ich mache nichts wozu ich mich ausziehen muss...)

Wirkliche Goldstücke muss man suchen... und sind natürlich immer zu selten.

Von dem her wundert mich nicht, wenn ab und an ein Heiratsantrag ausgesprochen wird. 😂
 
Gäste, die grölend, betrunken Frauen anpöbeln sind eher die Ausnahme. In einer Kneipe oder Diskothek ist sowas wahrscheinlicher, wenn auch hier unerhört.

die findet man eher in der Umgebung von Hinterhofpuffs. Wo die Herrschaften in Gruppen nach der Firmenfeier hinfahren um sich gegenseitig zu beweisen, wie gut sie sind. Nüchtern und allanich trauns sich eh net hin.
 
Jemand der nicht internetaffin ist, wird auch bereits an der Erstellung des Inserates scheitern.
Vollste Zustimmung
Hilft da nicht eh der Cousin in selbstloser Weise? Oder, um eine charmantere Lösung zu nennen, die Freundin, die schon länger hier werkt?

Ich befürchte, der Schaden ist jetzt schon irreversibel und ein entsprechendes Gesetz würde sehr viele kleinere Lokale auslöschen. Und für Leute, die geschäftlich ihre Kunden in Lokale bringen, um ihre Abschlüsse zu feiern wird es auch nicht unbedingt gut ankommen, wenn man dann im Stiegenhaus einer Wohnung steht. Nur als Beispiel, weil mich das partiell konkret beruflich betrifft. Privat wäre es egal.

hmmm... das ist aber eine ganz andere Zielgruppe; am ehesten Babylon oder eine der besseren Bars... die tun sich schon lange schwer, das ist aber eher eine generelle Änderung in der Branche, und hat m.M. nach wenig mit Wohnungsprostitution zu tun. Eher damit, das Leute mit Geld keine Lust mehr haben - und auch nicht mehr soviel frei verfügbare Mittel - , dort hinzugehen und ordentlich Geld liegen zu lassen
 
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hmmm... das ist aber eine ganz andere Zielgruppe; am ehesten Babylon oder eine der besseren Bars... die tun sich schon lange schwer, das ist aber eher eine generelle Änderung in der Branche, und hat m.M. nach wenig mit Wohnungsprostitution zu tun.
Ich erlaube mir die Behauptung, dass die illegale Wohnungsprostitution alle legalen Betriebe schwächt. Alle!

Eine legale Wohnungsprostitution würde es noch weiter verschlimmern, ausser es würden in den Wohnungen behördliche Vorschriften gelten, wie in Hotels, Restaurants, Bars und Freizeiteinrichtungen mit allem, was dazugehört.

So wie ich es verstehe, ist die einzige Möglichkeit, die Wohnungsprostitution durchzubringen, der schwedische Weg, der die Freier dann strafbar macht. Be careful what you wish for as it might just become true.
 
ich habe gerade einen, wie ich finde. wertvollen Hinweis bekommen, dass sich wenigstens eines der Anzeigenportale zu den legalen Betreibern bekennt und keine illegalen Inserate für die Wohnungsprostitution akzeptiert.



"STOP ILLEGALE PROSTITUTION​
Wir geben illegaler Prostitution, illegaler Wohnungsprostitution keine Reichweite! SexworkerInnen bieten zunehmend ihre illegalen Dienste in Wohnungen an, die oftmals über Online-Plattformen angemietet werden. Illegale Wohnungsprostituierte sollten gemieden werden!

Gesundheitlicher Aspekt: oft werden keine Hygienevorschriften eingehalten, keine Kondome verwendet, die illegalen SexdienstleisterInnen lassen keine regelmäßigen bzw überhaupt keine medizinischen Kontrolluntersuchungen („Grüne Karte“) durchführen und auch der Impf- und Teststatus wird meist nicht überprüft.

Zwangsprostitution: illegale Prostitutionsnetzwerke - Zuhälterei, Ausbeutung in der Prostitution, Menschenhandel in die Prostitution. Diskretion: die Polizei setzt laufend Schwerpunktaktionen gegen illegale Wohnungsprostitution.

Wir wollen einen Beitrag leisten, damit die seit Beginn der Corona-Pandemie stark gestiegene Randkriminalität nicht durchgreift! Aus diesem Grund ist auf Intimcity Werbung für illegale Wohnungsprostitution verboten!"

Ich glaube, neben Intimcity verhält sich nur das Sexmagazin solidarisch den Betreibern gegenüber. Ich weiss noch nicht genau, wie man das zu bewerten hat und ob es eine spürbare Auswirkung haben wird aber es ist mMn interessant und diskussionswürdig.
 
Im Lockdown durften wir jeden besuchen u Pflicht war es den Kunden nach seinem Impf - oder PCR Stand zu fragen….Zechenstierln war net 😝
 
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