Eine Frage an die Geschiedenen/Getrennten im Forum: wie habt ihr euer Leben mit den Kindern geregelt? Welcher Elternteil hat die Hauptaufsicht? Gemeinsame Obsorge? Wie sind Rollen- und Aufgabenverteilung geregelt? Und vor allem - wie bringt man die Trennung über die Bühne ohne die Kinder dabei mehr als nötig zu verletzen?
Mir steht die Trennung bevor, ich überlege mir gemeinsame Obsorge zu definieren und die Kinder der Frau zu lassen. Nicht weil ich zu faul wäre, mich um sie zu kümmern, sondern weil sie die Kinder nie hergeben würde und wegen der Kinder nur teilzeitbeschäftigt ist. Ausserdem erlaubt die Wohnungssituation keine symmetrische Aufgabenteilung. Dafür wäre ich unterhaltspflichtig.
Gibt es hier mit bestimmten Modellen bereits positive/negative Erfahrungen, die meinen Horizont erweitern können?
Lieber Donjoe,
Ich geb dir aus meinen eigenen Erfahrungen etwas weiter.. schau mal, ob etwas für dich dabei ist:
zuerst mal - es gibt kein Patentrezept. Das heißt auch, auf sich selbst und das Innere hören - die Kinder hören (zum Äußern bewegen)..,, die Partnerin hören. Sie wird immer deine Partnerin sein, solange es um die Kinder, die Erziehung - die gemeinsame Zeit geht.
Dann - mit der Partnerin eine Art Fairness-Abkommen vereinbaren. Streiten ja - aber im geordneten Rahmen und ohne Kinder und keinesfalls über die Kinder hinweg.
Gemeinsame Obsorge hat auch Pferdefüße - vor allem aber auch entschiedene Vorteile.
Wesentlicher Vorteil - du kannst alle Handlungen und alle Verantwortung eines Elternteiles übernehmen. Ohne gemeinsame Obsorge darfst du genau genommen gar nichts. Da bist du wie ein Fremder für dein Kind - du bist eben nicht zur Obsorge und auch nicht zur Erziehung berechtigt (keine Unterschriften in Heften, keine Unterschriften vor den Behörden... zB)
Allerdings - sollte im Scheidungsvertrag geklärt werden, wer primär die Erziehungsfunktionen ausübt. Ich habe mich da immer, auch wenn es gegen meine Meinung und gegen meinen Willen war, der Mutter nachgereiht.
Alle Streits und Diskussionen VOR der Scheidung klären. Auch Unterhalt an Gattin und Kinder, auch Leistungen zur Altersvorsorge, Leistungen im Fall des Verlustes der Erwerbstätigkeit....
Besuchsrecht - auch als Minimum erklären, damit du deine Kinder flexibel auch außerhalb der vereinbarten Zeiten ohne Probleme treffen kannst. Da kann man auch Urlaube, Schifahren etc überlegen..
Wie ihr Rollen und Aufgaben verteilt - ist alleine eure Sache. Da gibt es niemanden, der das besser kann als ihr.
Günstig wäre es auch, sich Spielregeln für die Zeiten mit neuen Partnerschaften zu überlegen.
Ich habe die Partner meiner Exgattin kennengelernt und sie meine Partnerinnen.
Die gemeinsame Zeit der Beziehung ist vorbei - und sollte wirklich und auch innerlich abgeschlossen werden. Sonst tät ich die Scheidung aufschieben und bei getrennten Wohnsitzen verbleiben (mit einer Art schriftlichen Abkommen, dass dies toleriert und akzeptiert wird).
Du wirst alle Arten von positiven und negativen Erfahrungen machen. Wie du damit umgehen wirst, kann dir heute niemand sagen. Aber im Fall des Falles scheue dich nicht, professionelle Hilfe zu suchen. Spätestens wenn du in einer anderen leeren Wohnung sitzt.... mein bester Freund, selbst Psychiater, schlitterte in eine tiefe Depression... da ist keiner gefeit. Auch wenn man noch so sehr die Trennung herbeigewünscht hat.
Auf keinen Fall rasch eine andere Beziehung eingehen und schon gar nicht zusammenziehen. Gönne dir bewusst und aktiv ein Trauerjahr. Glaub mir, ich weiß warum ich dir das schreibe.
Die Kinder werden viel Aufmerksamkeit brauchen, und sie können durchaus aggressiv und unzugänglich reagieren.
Selbst mit 36, als meine Eltern sich trennten und ich auch schon geschieden war, ging es mir schlicht 'dreckig'.
Kinder funktionieren nicht - sie reagieren, auf sich und auf andere und anderes... wichtig ist zB, dass sie nicht in eine Isolation geraten. Rollenspiele, gemeinsame Unternehmungen aber klare Strukturen und Distanz. Ehrlich denken, tun, handeln.
...na ok, hab ich mir ein wenig was runtergeschrieben... denk einfach daran - jeder Schritt wird in Zukunft neu sein und du wirst kaum jemals im Vorhinein wissen, was passieren wird. Sei auf vieles, vielleicht sogar alles gefasst.
Und schließe mich allen anderen an - Mediation ist auf jeden Fall sinnvoll. Jetzt zuerst einmal eine, die die Beziehungs- und Familiensituation betrachtet. Wenn ihr dann zum Ergebnis Trennung/Scheidung kommt - regelt ihr die materiellen und organisatorischen Angelegenheit viel leichter.
Und - man sollte sich trotz aller Schmerzen bewusst halten - da war ein Mensch, mit dem habe ich (in meinem Fall fast 15) Jahre meines Lebens geteilt. Und es war gut so. Nun beginnt etwas Neues.
Ich wünsch dir bewusst nicht viel - es bleibt nur zu sagen, Kraft Mut Anstand - und die Hoffnung, dass eines Tages wieder Ruhe und Liebe einkehrt.
Ciao Cernunnos