Gelenkprobleme durch Arbeit und Sport.

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Männlich Hetero Österreich, Steiermark (82** Gleisdorf)
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Gerade den Artikel gelesen welcher das Thema etwas anschneidet.


Und ja, das stimmt definitiv. Ich beobachte es schon seit etwa drei Jahren und der Grund ist auch recht schnell ermittelt und nicht ganz so wie im Artikel dargestellt.

Auf Tiktok und YouTube wurden und werden gerne Videos verbreitet wie man ohne professionelle Gerätschaften Muskeln trainiert. Da mag es auch wirklich ein paar gute Übungen geben. Aber 90% sind eben Clickbait um dem Nutzer zu suggerieren er könnte mit Gummibändern, Wasserflaschen und einem Sessel oder einer Couch ein Gym mit einer Ausstattung von 200.000€ ersetzen.

Nur sind das in der Regel Notkonzepte wenn man zum Beispiel im Gefängnis sitzt, so verarmt ist das man kein Geld für Geräte oder Gym hat oder in der Wüste lebt. Und meistens auch dann nur empfehlenswert wenn man schon eine sehr, sehr gute Grundmuskulatur hat.

Da werden zum Teil Knie, Schulter, Genick und Handgelenke überbeansprucht.

Beispielsweise. Einbeinige Kniebeugen mit einem Bein auf der Couch. Man verlagert also das gesamte Gewicht auf ein Knie... .
Da muss man eigentlich kaum noch etwas dazu sagen. Selbsterklärend das man sich bei einem guten Körpergewicht da einfach schädigt.

Der Humbug geht dann viral und am Ende schleppt man es noch in das Studio mit indem man zusätzlich Gewichte dazu verwendet. Warum man wohl bei einer Beinpresse genau den Weg einstellt um die Muskeln zu trainieren und das Knie nicht zu sehr zu belasten?!

Den gleichen Kram gibt es derzeit mit diversen Übungen. "Wohnzimmer Workout" oder "Lockdown Training" und das meiste ist nicht harmlos, noch schlimmer wenn man es mit Gewichten kombiniert und dann noch Bänke etc. dafür zweckentfremdet.
5 Meter daneben stehen dann die Geräte leer wo man so etwas weitestgehend sicher trainieren kann.

Auf Baustellen und bei anderen ähnlichen Berufen sehe ich es inzwischen auch öfter. Zementsäcke werden wieder hochgenommen, der Fliesenkleber zugeworfen und Kübel neben dem Seilzug hochgetragen. Weil, ist ja so sportlicher und wer es anders macht ein Schwächling.
Die jungen oder auch älteren Arbeiter wollen dann nicht schwächeln und machen mit.
Im Endeffekt ist dann mit 40 alles angeknackst und mit 50 kaputt.

Es hat einen Grund warum man heutzutage im Vergleich zu den 70er Jahren spezielle Geräte verwendet um gezielt Muskelgruppen anzusprechen. Weil die Abnutzung damit minimiert wird!

Wer schon einen sehr guten Grundaufbau hat, der kann sich auch solche Aktionen ab und zu leisten. Die Muskulatur schützt dann in gewissen Bereichen. Aber wer meint er könnte mit solchen antiquirten Methoden etwas aufbauen wird auch genauso enden wie die ersten Sportler die dann irgendwann am Morphium hingen und sich "Jauckerl" mit Kortison verpassten.

Natürlich macht es oft Spass zu zeigen wie man einen 40 Kilo Sack locker trägt. Aber wer auch im Alter noch etwas tragen möchte sollte die Schubkarre nehmen.
Gleiches bei freien Trainingsgeschichten. Natürlich ist es eindrucksvoll auf der Bank mal 100 Kilo zu nehmen. Aber sinnvoll ist es nur wenn die Kraft dazu ohne Ende vorhanden ist und man die Technik perfekt beherrscht.
 
Im Endeffekt ist dann mit 40 alles angeknackst und mit 50 kaputt.
Dafür brauchst keine Baustelle.
Privat reicht es bereits aus, auch Büromenschen kann´s treffen.

Ich schwöre auf Physiotherapie, aber sowas von.

Schade, dass Auszubildende schwer qualifizierte Plätze finden um den Praxisnachweis zu erhalten, das Weiterbildung privat zu bezahlen sind und Institute auf Kassa, nicht hergeben, was Physiotherapie kann. Praxis ist meist klinisch und nicht dort, wo wirklich Physiotherapeuten mit solider Ausbildung, sich stetig auf eigene Kosten weiterbildend vorhanden ist. (Das ist verständlich. Wenn jemand selbstständig in diesem Bereich arbeitet, kann er kaum einen "Anfänger" an Patienten arbeiten lassen.)

Der Orthopäde, kennt seine Lösungen, meist OPs, Infiltrationstherapien, kostenspielige Gerätschaften und Behelfe (Sanitätshaus im Haus) sein Bereich.
Physiotherapie vor OP, die bereits für das "Nachher" das im OP-Gespräch nicht klar gezeichnet wird, macht Sinn.
Physiotherapie alternativ zur OP (Termine sind oft eh langfristig) noch immer kaum erwähnt.
Es gibt etwas anderes als nach Verordnungsschein sich ressourcenschonend ins Moorbad legen zu lassen.

Ich bedauere zutiefst, dass die ansich patientenfreundliche und kostenschonende Variante des Physiotherapeutens des Vertrauens, derart vernachlässigt wird. (für Patienten, sowie der Gesundheitskosten)
 
Ich bedauere zutiefst, dass die ansich patientenfreundliche und kostenschonende Variante des Physiotherapeutens des Vertrauens, derart vernachlässigt wird. (für Patienten, sowie der Gesundheitskosten)
Ich bin Physiotherapeut seit viele Jahren und ja, Du hast leider absolut recht. Ich arbeite auch privat, vor allem aber, weil allein die Kassenverträge gelinde gesagt eine Frechheit sind. Mein Honorar ist so niedrig gehalten, dass die Leute nahezu ihre Kosten refundiert bekommen, und nein, reich werde ich nicht mit dem Job. Macht aber nichts, darum tu ichs nicht.

Ich kenne einige Orthopäden, die tatsächlich wie ich die sogenannte manuelle Medizin hochhalten, tatsächlich hingreifen, den Menschen und seine Probleme begreifen. Leider wird dennoch viel zu oft einfach aufgrund einer Bildgebung operiert, wenngleich es eigentlich nicht wirklich nötig gewesen wäre.

Und dann hamma da auch noch die, nun ja, diversen Scharlatane in unserem Fahrwasser, Energetiker aller Art, viele Osteopathen mit fragwürdiger Ausbildung etc.

Es ist fast unmöglich, einen Arzt, eine Ärztin für eine perfekte Zusammenarbeit zu finden, die meisten wollen einfach nur eine Verordnung ausstellen und gut is. Das ist nur leider nicht mein Weg, der tief im Miteinander MIT den Patienten verwurzelt ist, mit dem Menschen und nicht einem ICD Code.

Außerdem darf man ja heute schon fast nicht mehr sagen, welches Problem das Hauptproblem darstellt, zB Adipositas, Bewegungsmangel, Fehlernährung und so weiter. Schlimm auch, dass die Medien auf den Zug aufspringen, jaja, Adipositas ist ja garnicht selbst verursacht, nein nein, das ist alles genetisch bedingt, ergo können die Leute nix dafür, Punkt. Schnell ein paar Spritzen gesetzt, alles wieder gut...NICHT.

Ich hab da einige Ideen in der Pipeline, schau ma mal...
 
Ich bin Physiotherapeut seit viele Jahren
Du sprichst wie meine Physiotherapeutin seit 2017.
Sie trägt mich und auch ich sie seit vielen Jahren im Vertrauensverhältnis.

Beispiel: Nach einem schweren Sturz mit salopp "Gatsch" in der Schulter, Manschettenriss etc., "Frauen ab 50 werden operiert" plus Termin, Anker müssen rein. Bauernverband muss sein.

Ich: Sofort Physiotherapie, vorerst passiv.
Kontrolltermin, Panik, ich konnte meine Handflächen hinter dem Rücken vorsichtig, in richtiger Haltung hinter dem Rücken falten, Traumaexperte, wow passt - Amen. Besser als nach einer OP und dementsprechend existenzgefährdenden Krankenstand (das sagt einem vorher keiner)

Ich hatte das OP-Gespräch zur Unterzeichnung und abfotografiert, die Risken nach einer OP waren dieselben, zusätzlich der OP-Risken und Folgerisken wie das Ausreißen der Anker, somit der ewige Patient. Wieso nicht Physio angeboten bekommen bis zum OP-Termin in Monaten? Selbst wenn OP kommt, ist man bereits bestens vorbereitet.

Das ist nur ein harmloses Beispiel. Das hat nichts mit Wunder oder Esoterik zu tun, sondern mit Fachwissen und Praxis.

Wie Du sagst, Kohle in hohem Maß ist da nicht drin.

Wie soll ich das jetzt positiv sagen? Ich hoffe, dass als positive Wirkung der angespannten Lage im Gesundheitssystem die Physiotherapeuten endlich den Platz bekommen, der ihnen zusteht, selbst wenn eine mittlerweile zunehmend hinterfragte Kammer dagegenhält.

(Der beschriebene Vorfall, einer von mehreren, ist ca. 5 Jahre her, es geht mir gut, ich merke keine Einschränkung und ich benötigte keine schmerzstillende Medikamente.)

o.t. In den 90igern, ein Sohn mit Asthma (beginnend mit Diagnose obstruktiver Bronchitis, KH-Aufenthalten) Atemschule neues Projekt SMZO, Eltern und Kleinkinder wurden gelehrt damit umzugehen, Übungen, einfach nur danke dabei gewesen zu sein. Das Kind in Armen zu halten, seine Atmung zu unterstützen, es war so unheimlich auch emotional gut für uns, wie für sein Selbstverständnis und Selbsthilfe. Dass Physiotherapie durchaus innere Organe betreffend sehr fundierte "Wunder" bereit hält, weiß leider kaum wer. :(
 
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