Friedenslicht

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The Unopened Box​

The city was a blur of neon lights and frantic shoppers, but old Elias sat quietly in his small apartment. On his wooden table sat a single, dusty box tied with a faded red ribbon. He didn't open it. He hadn't opened it for five years.

Every Christmas, people asked him what was inside. "My greatest treasure," he would say with a faint smile. His grandson, Leo, finally visited that evening. Unlike the others, Leo didn't bring a flashy gadget. He brought two mugs of cocoa and a deck of cards.

"Grandpa," Leo asked softly, "aren't you going to open the box this year?"

Elias looked at the box, then at Leo. "The box is empty, Leo. It has always been empty."

Leo looked confused. "Then why do you keep it?"

"Because," Elias replied, "it reminds me that the best parts of Christmas are the things you cannot put in a box. It’s the silence we share, the stories we tell, and the fact that you are sitting here with me. People spend their lives trying to fill boxes, but the heart is filled by what happens outside of them."

Leo put down his cards and hugged his grandfather. For the first time, he understood. The treasure wasn't in the box; the box was just a space held for the people he loved.

Die ungeöffnete Schachtel​

Die Stadt war ein Meer aus Neonlichtern und hektischen Käufern, doch der alte Elias saß still in seiner kleinen Wohnung. Auf seinem Holztisch stand eine einzige, staubige Schachtel, die mit einem verblassten roten Band versehen war. Er öffnete sie nicht. Er hatte sie seit fünf Jahren nicht geöffnet.

Jedes Weihnachten fragten ihn die Leute, was darin sei. „Mein größter Schatz“, sagte er dann mit einem schwachen Lächeln. Sein Enkel Leo besuchte ihn schließlich an jenem Abend. Im Gegensatz zu den anderen brachte Leo kein schickes technisches Gerät mit. Er brachte zwei Tassen Kakao und ein Kartenspiel.

„Opa“, fragte Leo leise, „wirst du die Schachtel dieses Jahr nicht öffnen?“

Elias sah die Schachtel an, dann Leo. „Die Schachtel ist leer, Leo. Sie war schon immer leer.“

Leo sah verwirrt aus. „Warum bewahrst du sie dann auf?“

„Weil“, antwortete Elias, „sie mich daran erinnert, dass die besten Teile von Weihnachten die Dinge sind, die man nicht in eine Schachtel stecken kann. Es ist die Stille, die wir teilen, die Geschichten, die wir erzählen, und die Tatsache, dass du hier bei mir sitzt. Die Menschen verbringen ihr Leben damit, Schachteln zu füllen, aber das Herz wird durch das gefüllt, was außerhalb von ihnen geschieht.“

Leo legte seine Karten weg und umarmte seinen Großvater. Zum ersten Mal verstand er es. Der Schatz lag nicht in der Schachtel; die Schachtel war nur ein Platzhalter für die Menschen, die er liebte.
 
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Die Maus beobachtete, wie die Tiere den Stall vorbereiteten und zürnte.
Es hieß, dass in dieser Nacht ein Wunder geschehen würde, größer als alle bisherigen - doch die Tiere gaben sich offenkundig keine Mühe.
Die Stallmaus kannte diesen Ort besser als alle anderen zusammen, aber um ihren Rat hatte niemand gefragt.
Und nun war es zu spät, um noch etwas zu retten: Das Stroh war lieblos verstreut, Spinnweben hingen vom Gebälk, das Gemüse für die Gäste war noch erdig und sogar der Tonkrug mit dem Wasser hatte einen Sprung. Der Ochse hatte nicht einmal geduscht, und dem Esel steckte Heu zwischen den Zähnen. Unter ihrer Ägide, da war sie sicher, wäre so etwas nie passiert.
Empört kletterte die Maus auf einen Querbalken, von dem aus sie alle sehen konnten, und holte Luft, um den Tieren einmal ordentlich die Meinung zu sagen. Es mochte zu spät sein, um etwas zu ändern, aber sie wollte zumindest klarstellen, wie sehr sie versagt hatten und wie schlampig dieser Stall für das große Wunder dastand.
Doch bevor sie ein einziges Wort herausbringen konnte, trafen die erwarteten Fremden ein - und kurz darauf geschah das Weihnachtswunder. Niemand bemerkte was nicht perfekt war. Alle freuten sich schlicht darüber, gemeinsam bis hierher gelangt zu sein. Sie waren dankbar, dieses Glück zusammen erleben zu dürfen. Die Maus spürte die Kritik, die ihr noch auf der Zunge brannte - und schluckte sie hinunter.
Vielleicht waren Äußerlichkeiten nicht immer das Wichtigste. Vielleicht war es sogar ein Geschenk, nicht auszusprechen, was man bemängeln wollte, sondern den anderen ihre Freude zu lassen. Und ein Geschenk an sich selbst, sich stattdessen mitzufreuen.
Frohe Weihnachten!

Vea Kaiser
 
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